Jedes Jahr durchqueren tausende spanische Transportunternehmer Europa, um ihre Ware nach Finnland zu liefern – ein Land mit ruhigem Verkehr und vorbildlicher Verkehrssicherheit, aber mit einer ganz anderen Gesetzeslage als unserer.
Das Fahren auf finnischen Straßen mit Temperaturen unter Null, rutschigen Fahrbahnen und unberechenbarer Tierwelt erfordert eine gründliche Vorbereitung, die über die mechanische Einstellung des Lastwagens hinausgeht.
Zunächst muss klar sein, dass in Finnland rechts gefahren wird und die generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen für Lkw bei 80 km/h liegt (im Winter auf den schnelleren Straßen sinkend auf 60 km/h).
Was die Fahrerlaubnisse betrifft, so ist der spanische EU-Führerschein voll gültig, aber es ist ratsam, den Internationalen Führerschein mitzuführen, falls die Behörden danach fragen. Die Fahrdokumentation muss den gültigen ITV-Prüfbericht, die Grüne Versicherungskarte und den Tachographen in einwandfreiem Zustand umfassen, da finnische Beamte sehr anspruchsvolle Stichprobenkontrollen durchführen.
In Bezug auf Gewichte und Abmessungen ist Finnland ein sehr besonderer Fall im europäischen Rahmen. Normalerweise liegt die allgemeine Grenze für Sattelzüge bei 40-44 Tonnen, aber das nordische Land erlaubt bis zu 76 Tonnen mit neun Achsen und eine maximale Länge von 34,5 Metern (bei Sondertransporten werden 80 Tonnen erreicht).
Ausländische Transportunternehmer ohne vorherige Genehmigung sollten jedoch wissen, dass diese höheren Grenzwerte für ihre Fahrzeuge möglicherweise nicht gelten. Daher ist es ratsam, 40 Tonnen nicht zu überschreiten, es sei denn, man verfügt über eine spezielle Genehmigung.
Um mehr Sicherheit für diese Kolosse zu gewährleisten, schreiben die Vorschriften fortschrittliche Systeme wie Seitenkameras, autonome Notbremsung und Spurhalteassistenten vor, und die Achslasten dürfen auf den meisten konventionellen Straßen 10 Tonnen nicht überschreiten.
Den größten Stellenwert legen die finnischen Behörden auf die Verkehrssicherheit in den kalten Monaten. Vom 1. November bis 31. März ist die Verwendung von Winterreifen mit der Kennzeichnung des Schneeflockensymbols auf dem Dreiberg (3PMSF) für alle Lkw obligatorisch; darüber hinaus müssen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zwischen dem 15. Oktober und 31. März Schneeketten an den Antriebsrädern mitführen. Ebenso ist es Pflicht, ein Warndreieck mitzuführen und dauerhaft Abblendlicht zu verwenden (die berühmten Tagfahrleuchten), eine im Land tief verwurzelte Maßnahme. Die Lkw-Fahrer müssen die europäischen Lenk- und Ruhezeiten strikt einhalten, die über den Tachographen überwacht werden, und der maximal zulässige Blutalkoholgehalt beträgt nur 0,5 Gramm pro Liter – ein sehr niedriger Grenzwert, der mit absoluter Strenge angewendet wird.
Damit die aus anderen Teilen Europas ankommenden Transportunternehmer diese Vorschriften einhalten, führt Finnland gemeinsame Kontrollen an den Grenzen und in den Einlaufhäfen wie Hanko oder Helsinki durch, bei denen die Polizei und die Agentur Traficom die Dokumentation, den Tachographen und den Zustand der Reifen überprüfen.
Die befragten Experten der Finnischen Verkehrs- und Kommunikationsagentur (Traficom) betonen, dass spanische Fahrer besonders auf die Wintergeschwindigkeit und die Wildwarntafeln achten sollten, da Rentiere und Elche jedes Jahr Tausende von Unfällen verursachen, oft mit tödlichen Folgen für den Lkw-Fahrer.
Darüber hinaus empfehlen sie, vor jeder Abfahrt den Straßenzustand und den Wetterbericht über die offizielle Website „Fintraffic“ zu prüfen, die Echtzeit-Bilder von Verkehrskameras und Warnungen vor vereisten Abschnitten bietet.
Als letzten Ratschlag der Experten: Falls man von einem Schneesturm überrascht wird, ist es unerlässlich, Lebensmittel, Wasser und eine Wärmedecke in der Kabine mitzuführen sowie ein Notfalltelefon mit geladenem Akku.
Die finnischen Behörden wenden innerhalb der EU den Grundsatz des gegenseitigen Vertrauens an, zögern aber nicht, bei Nichteinhaltung der lokalen Vorschriften hohe Geldstrafen zu verhängen, insbesondere in Bezug auf Winterreifen und Lenkzeiten. Daher ist die beste Empfehlung für einen spanischen Transportunternehmer, vor der Überquerung der Ostsee den offiziellen Leitfaden von Traficom zu konsultieren und sich mit seinem Unternehmen abzustimmen, um das Fahrzeug an die extremen Bedingungen anzupassen, denn in Finnland ist Verkehrssicherheit kein Ratschlag, sondern eine unverhandelbare gesetzliche Verpflichtung.
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