130 Jahre auf Rädern: Das Vermächtnis des ersten Lkw erstrahlte in Stuttgart

by Marisela Presa

Am vergangenen Wochenende wurde das Stuttgarter Messegelände zum Epizentrum der Geschichte des Straßengüterverkehrs. Mercedes-Benz Trucks Classic eröffnete auf der Retro Classics 2026 die Ausstellung „130 Years Trucks“, eine Schau, die vom 19. bis 22. Februar für die Öffentlichkeit geöffnet war und nach Prognosen der Organisatoren rund 70.000 Besucher empfing.

Auf einem 700 Quadratmeter großen Stand in Halle 10 feierte der Stern sein Jubiläum gebührend, indem er die Maschinen, die die globale Logistik für immer veränderten, zurück in die Gegenwart holte.

Es war kein gewöhnliches Jahr für die deutsche Firma: 130 Jahre nachdem Gottlieb Daimler seine revolutionäre Erfindung präsentierte, blickte das Unternehmen stolz zurück, bekräftigte aber auch seine Rolle als Architekt der Zukunft des Transports.

Der unbestrittene Hauptdarsteller der Gedenkveranstaltung war der originalgetreue Nachbau jenes wegweisenden Fahrzeugs von 1896. Mit seinem rückwärtigen Zweizylindermotor „Phoenix“ von nur vier PS Leistung und einem Hubraum von 1,06 Litern hat jener primitive, an eine motorisierte Postkutsche erinnernde Lastwagen wenig bis gar nichts mit den gewaltigen Maschinen gemein, die heute unsere Autobahnen durchziehen. Sein Riementrieb und die Kettenlenkung lassen an eine handwerkliche Ära des Automobilbaus denken, doch bereits in diesem rudimentären Entwurf fanden sich erstaunlich fortschrittliche technische Konzepte. Daimler integrierte den Planetenrad-Nabenuntersetzungsachse, eine technische Lösung, die in angepasster und weiterentwickelter Form bis heute in schweren Lkw Bestand hat und die Solidität dieses gründenden Genies beweist.

Die rasche Weiterentwicklung dieser Erfindung ließ nicht lange auf sich warten, und die Ausstellung in Stuttgart spiegelte dies mit Exponaten wider, die die Entwicklungslinie nachzeichneten. Bereits zwei Jahre später hatte Daimler den Motor nach vorn verlegt, um die Nutzlast zu erhöhen, und testete seine Prototypen unter realen Bedingungen in Ziegeleien. Bis 1899 wurden die ersten Lastwagen bereits nach England und Frankreich exportiert, setzten sich gegen Dampffahrzeuge durch und leiteten eine internationale Expansion ein, die sich auf der Weltausstellung in Paris 1900 festigen sollte. Zu den ausgestellten Schätzen gehörten der erste Daimler-Lastwagen mit Kardanwelle von 1899, der sich derzeit im Technik Museum Speyer in Restaurierung befindet, sowie Nachkriegsmodelle wie der Mercedes-Benz L 4500, LP 608 und L 1113, wahre Zeugen des europäischen Wiederaufbaus.

Aber der Blick zurück auf der Retro Classics diente auch dazu, andere zeitgenössische Meilensteine zu feiern. Der Ausstellungsbereich widmete den drei Jahrzehnten des Mercedes-Benz Actros einen Ehrenplatz. Der 1996 vorgestellte Actros bedeutete eine konzeptionelle Revolution, indem er mit seinem CAN-Datenbus und elektronischen Bremssystemen fortschrittliche Elektronik in den Schwerlastverkehr einführte und den Lkw in ein intelligentes, vernetztes Arbeitsgerät verwandelte. 2006 folgte mit dem Active Brake Assist ein weiterer wichtiger Fortschritt, ein Vorläufer der heutigen aktiven Sicherheitssysteme, der ebenfalls in diesem Jahr Jubiläum feierte. Die Ausstellung umfasste zudem das 80-jährige Jubiläum des ikonischen Unimogs – mit Exemplaren von 1946 und 1978 – und das 75-jährige Bestehen von Setra, repräsentiert

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