Autofahren symbolisiert Selbstständigkeit, doch das unaufhaltsame Verrinnen der Zeit wirft eine unangenehme Frage auf: Gibt es ein Alter, um mit dem Fahren aufzuhören?
Während einige den geistigen Zustand, Lebenserfahrung oder den rechtlichen Rahmen als Schlüsselfaktoren nennen, bietet die spanische Dirección General de Tráfico (DGT, Generaldirektion für Verkehr) eine auf Daten basierende Antwort, nicht auf Verboten.
Entgegen der Meinung vieler gibt es in Spanien keine gesetzliche Höchstaltersgrenze für das Führen von Fahrzeugen.
Die Vorschriften konzentrieren sich auf die Eignung, nicht auf das Alter. Ein neunzigjähriger Fahrer in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte kann seinen Führerschein verlängern. Allerdings setzt die DGT einen Wendepunkt bei 65 Jahren, ab dem die Kontrollen intensiviert werden.
Das kritische Alter: zwischen 65 und 70 Jahren
Obwohl es keine festgeschriebene Regel ist, weist die DGT, gestützt auf medizinische Studien und Unfallstatistiken, auf die Altersspanne zwischen 65 und 70 Jahren als Schlüsselperiode hin, in der die für das Fahren essenziellen psychophysischen Fähigkeiten (Sehvermögen, Reflexe, Reaktionsfähigkeit, Ausdauer) signifikant nachlassen können. Interne Quellen präzisieren sogar, dass das Risiko zwischen 68 und 70 Jahren zunimmt.
Der Kontrollmechanismus: häufigere Verlängerungen
Das Hauptinstrument ist der Zeitplan für die Führerscheinverlängerung:
Bis 65 Jahre: Wird alle 10 Jahre verlängert.
Von 65 bis 70 Jahre: Die Frist verkürzt sich. Er muss alle 5 Jahre verlängert werden.
Ab 70 Jahren: Die Verlängerung ist alle 5 Jahre verpflichtend, wobei umfassendere medizinische Untersuchungen durchgeführt werden, die Sehvermögen, Koordination, den Bewegungsapparat und mögliche Erkrankungen bewerten.
Die Stimme der Experten: jenseits des chronologischen Alters
Die Fachleute sind sich einig, dass der Schlüssel nicht eine Zahl, sondern der individuelle Zustand ist.
Das Zentrum für Verkehrssicherheitsstudien Ponle Freno-AXA betont, dass altersbedingte Krankheiten (grauer Star, Herz-Kreislauf-Probleme, Arthrose) die Fahrfähigkeit stärker beeinträchtigen als das Alter selbst.
Geriatrie und Psychologen betonen die Bedeutung der “Selbsteinschätzung”: Symptome wie erhöhte nächtliche Sehstörungen, verlorenes Vertrauen beim Einparken oder langsamere Reaktionen auf Unvorhergesehenes zu erkennen.
Eine verantwortungsvolle Entscheidung
Die DGT zwingt niemanden, die Schlüssel in einem bestimmten Alter abzugeben, sondern fordert zu bewusstem und verantwortungsvollem Fahren auf. Die implizite Empfehlung lautet, dass jeder Fahrer beim Eintritt in das siebte Lebensjahrzehnt eine ehrliche und regelmäßige Bewertung seiner Fähigkeiten vornimmt, vorzugsweise mit ärztlicher Beratung.
Die Debatte geht somit über das Gesetz hinaus. Sie bewegt sich im Bereich der eigenen und der Sicherheit anderer sowie in der Fähigkeit, sich an eine neue Phase der Mobilität anzupassen, in der öffentliche Verkehrsmittel, Taxidienste oder familiäre Hilfe Alternativen sein können, die die Unabhängigkeit bewahren, ohne das Leben auf der Straße zu gefährden. Das letztendliche Ziel, wie die DGT betont, ist nicht, Freiheiten einzuschränken, sondern Leben zu retten.
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