Legenden der Landstraße: Weihnachtsgeschichten für die Wächter des Asphalts

by Marisela Presa

In den langen Winternächten, wenn die Luft nach Schnee und Kiefer duftet, werden Europas Lastwagenfahrer zu Erzählern von Legenden, die von Raststätte zu Raststätte wandern. Es wird gesagt, dass an Heiligabend 1987 ein spanischer Trucker, verloren in einem dichten Nebel in den Picos de Europa, eine Reihe goldener Lichter im Dunst auftauchen sah, die einen sicheren Pfad umrissen. Es war die „Spur der Hirten“, ein geisterhafter Pfad, der der Tradition nach nur denen erscheint, die zu Weihnachten wichtige Güter transportieren. Er folgte diesen Lichtern zu einer seit Jahrzehnten geschlossenen Venta, wo ihm eine Stimme „Gute Fahrt, Bruder der Straße“ wünschte. Bei Sonnenaufgang, als der Nebel sich gelichtet hatte, fand er auf seinem Armaturenbrett ein Mandelgebäck, eingewickelt in altes Papier.

Aus Deutschland erzählt man die Geschichte von Werner, einem Trucker aus München, der in der Silvesternacht 1999 mit einer Panne nahe dem Schwarzwald anhielt. Während er auf den Abschleppwagen wartete, hörte er ferne Glocken und sah zwischen den Bäumen die Schatten eines Weihnachtsmarktes, der mit Fackeln beleuchtet war und auf dem Figuren in altertümlicher Kleidung zu sehen waren. Ein alter Mann bot ihm heißen Glühwein in einem Zinnbecher an. Als er am nächsten Morgen in seiner Kabine aufwachte und der Abschleppwagen gerade eintraf, fand er denselben Becher neben sich, leer, aber mit einem Zimt- und Orangenduft, den er nie vergaß. Die Einheimischen erzählten ihm später, dass einmal in jeder Generation der „Christkindlesmarkt der Nachtwanderer“ erscheint, um einsamen Reisenden Schutz zu geben.

Über die polnischen Ebenen, wenn das Thermometer in den Keller fällt, wird über den „Engel der Autobahn 2“ geflüstert. Im kalten Dezember 2005 steckte ein Konvoi polnischer Lkw-Fahrer in einem monumentalen Schneesturm fest. Aus dem Nichts erschien eine Frau mit einer Laterne, die auf dem Schnee ging, als wäre es fester Boden. Sie führte sie, einen nach dem anderen, zu einer verlassenen Unterkunft, wo sie trockenes Holz und Vorräte fanden. Bei ihrer Vorstellung sagte sie nur: „Ich bin Emilia, ich war auch von der Straße“. Bei der Durchsicht alter Aufzeichnungen schwören einige, dass eine Fahrerin mit diesem Namen 1978 auf derselben Route verschwand, als sie Spielzeug in ein Waisenhaus brachte. Seitdem wacht ihr Geist über diejenigen, die an Heiligabend unterwegs sind.

Italien steuert seine Magie mit der Geschichte von Luigi bei, einem Trucker aus Neapel, der in den frühen Morgenstunden des 31. Dezembers 2012 auf der A1 bei Bologna unterwegs war. Sein Radio, auf einen nicht existierenden Sender eingestellt, begann, eine uralte Oper zu übertragen. Als er in den Rückspiegel blickte, sah er, dass sein Anhänger, der kurz zuvor noch leer war, mit Hunderten von kleinen flackernden Lichtern gefüllt zu sein schien. Eine Stimme flüsterte: „Es sind die Neujahrsträume der Kinder aus dem Süden, bringe sie in den Norden“. Bei der Ankunft am Ziel in Mailand war der Anhänger leer, aber an jedem späteren Halt erzählten ihm Leute, wie ihre Kinder genau in derselben Nacht das erhalten hatten, was sie sich von der „Befana der Autobahn“ gewünscht hatten.

Diese Legenden verwoben sich auf den Rastplätzen, wo sich Sprachen und Kaffeearomen mischen. Man spricht vom „Gelage der 7 Brücken“, einem Geisterschmaus, der auf einem Rastplatz zwischen Frankreich und Belgien erscheint, wo Trucker aller Nationalitäten, lebende und aus anderen Zeiten, ein ewiges Abendessen teilen. Wer eingeladen wird – so sagt man – hat im folgenden Jahr eine ebene Straße und Rückenwind. Seine Existenz wird bestätigt, weil manchmal bei Tagesanbruch Fahrer in ihren Kabinen Krümel französischen Brotes, einen Satz italienischen Weins oder eine polnische Mandarinenschale finden, ohne zu wissen, wie sie dorthin gelangt sind.

In Spanien bewahrt das Netzwerk alter Paradores und Ventas das Echo von Gelächter und Motorengeräuschen. Am berühmtesten ist die „Nacht der tanzenden Scheinwerfer“, die sich vor etwa zehn Jahren auf der N-634 ereignete. Mehrere Trucker, die durch Schneefall feststeckten, sahen, wie die ausgeschalteten Scheinwerfer ihrer Lkw begannen, ein warmes Licht auszusenden und Figuren in den Schnee zu projizieren: Bäume, Sterne, Hirsche. Es war, als ob die Fahrzeuge selbst, dankbar für die Pflege das ganze Jahr über, eine Vorstellung des Friedens boten. Seitdem schmücken viele ihre Lastwagen mit einem kleinen grünen Licht am Kühlergrill, ein Zeichen der Zugehörigkeit zu dieser stillen Bruderschaft.

Mögen diese Erzählungen, gewoben aus dem Faden der Erinnerung und dem Rauschen des Asphalts, all jene begleiten, die Ende 2026 die Straßen befahren. Mögen sie immer einen freien Platz auf dem Rastplatz, einen heißen Kaffee, eine freundliche Hand und eine klare Straße unter den Sternen finden. Für den Trucker, der dies in seiner Pause liest und auf die Morgendämmerung wartet: Möge deine Reise sicher, deine Ladung leicht und dein Herz voller Gewissheit sein, dass in jeder Kurve die Magie der Jahreszeit und der Geist von Kollegen, vergangenen und gegenwärtigen, mit dir reisen. Gute Fahrt, gutes Jahr und viel Glück, Fahrer der Legenden.

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